Langfingern das Handwerk legen: Diebstahlsicherungen für Pferdeanhänger

Von Doris Jessen, geschrieben am 04.02.2019

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ALBE_Klappschloss.jpgImmer wieder wird über gestohlene Pferdeanhänger berichtet.. Bei der Auswahl des Schlosses sollte man auf die Details der Konstruktion als solche und die Qualität achten. Denn nicht jedes Produkt hält – im wahrsten Sinne des Wortes -  was es verspricht. www.mit-Pferden-reisen.de hat sich in Fachbetrieben informiert, worauf zu achten ist und stellt die wichtigsten Varianten vor.


Die einfachste Lösung dem Problem zumindest im Ansatz zu begegnen, ist ein wirksames Schloss. Die Auswahl an Schlössern ist allerdings riesengroß. Und ebenso unübersichtlich, weil nahezu gleich aussehende Produkte oft deutliche Preisunterschiede aufweisen. Auch gibt es zahlreiche, auf den ersten Anblick praktische Lösungen, die am Ende aber in Sekunden geknackt sind.

Zertifizierte Sicherheit

SCM_Logo.jpgWährend Versicherungen in Deutschland Pferdeanhänger auch ohne den Nachweis eines sicheren Schlosses in die Teilkasko-Versicherung aufnehmen, ist der nachgewiesene Diebstahlschutz durch zertifizierte Schlösser in anderen Ländern wie zum Beispiel Großbritannien, Holland und Schweden Pflicht.

Die Zertifizierung der Produkte (nach SCM Niederlande, SBSC Schweden oder SoldSecure Großbritannien) erfolgt nur, wenn die Schlösser Aufbruchversuchen mit bestimmten Werkzeugen für eine bestimmte Zeit (ca. fünf Minuten) standhalten. „In dieser Zeitspanne darf das Schloss nicht mit den vorhandenen Mitteln aufzubrechen sein. Erfüllt ein Schloss diese Anforderung, wird das entsprechende Siegel erteilt“, erklärt Wolfgang Müller von der Firma Alko.

Untersuchungen von Versicherungen haben nämlich gezeigt, dass 90 Prozent der Diebstähle innerhalb von ein bis drei Minuten ablaufen. Wenn ein Schloss in diesem Zeitrahmen nicht zu überwinden ist, kann das folglich dazu beitragen, einen Großteil der Diebstähle verhindern zu können. „Die Intention der Versicherer in den genannten Ländern ist daher, dass die Versicherungsnehmer Schlösser einsetzen, die diesen kritischen Zeitrahmen überstehen. Hat ein Dieb mehr Zeit, da der Anhänger z.B. in abgelegener Lage abgestellt ist und dadurch niemand auf den Diebstahl aufmerksam wird, können allerdings auch die geprüften Schlösser überwunden werden“, so Müller weiter.

Es ist aber sicherlich auch ohne den versicherungsseitigen Zwang in Deutschland sinnvoll, ein hochwertiges Produkt zu kaufen.

Schlösser mit geringem Schutz

Einfache Steckschlösser

Die einfachste und billigste Variante ist das Steckschloss, das entweder bereits vom Anhängerhersteller in die Kupplung eingebaut oder vom Eigentümer nachgerüstet wird. Eine Variante ist ein Schlosszylinder, der ebenfalls direkt an der Kupplung angebracht ist und zusammen mit einer pilzförmigen Kunststoffkugel genutzt wird. Sie wird in das Zugmaul eingesetzt und simuliert den PKW-Kugelkopf. Es gibt auch herausnehmbare kleine Schlösser, die in bereits vorhandene Aussparungen an der Kupplung eingesetzt werden können.
Beide Varianten – mit und ohne „Pilz“ – sind im an- und abgekuppelten Zustand nutzbar.



Das Ei des Columbus

Ei_des_Columbus.jpgEine ebenfalls für das Zugmaul vorgesehene Lösung ist das „Ei des Kolumbus“. Es wird im geschlossenen Zustand eingesetzt und durch ein Sechskant-Modul aufgespreizt. Was auf den ersten theoretischen Anblick praktisch klingt, bringt in der Praxis aber Probleme mit sich: Die Diebstahlsicherung besteht aus mehreren kleinen Teilen: Das „Ei“ selbst, das Sechskant-Spreiz-Modul und dem Schlüssel. Da kann schon leicht einmal etwas herunterfallen oder verloren gehen. Beim Einsetzen in das meist von Fett verschmierte Kupplungsmaul verschmutzt das Ei – und die Hände werden ebenfalls fettig.

Diese Diebstahlsicherungen konzentrieren sich primär auf Kugelraum. Nachteil ist, dass die Befestigungsschrauben von der Kupplung selbst sind frei zugänglich und damit, zumindest von versierten und planvoll vorgehenden Dieben, die gesamte Kupplungseinheit einfach abgeschraubt und durch eine andere ersetzt werden kann.

„Steckschlösser sind zwar praktisch und schrecken sicherlich den Gelegenheitsdieb ab. Dies gilt vor allem für den angekuppelten Zustand, wenn das Gespann auf einem Turnier oder Parkplatz zum Ausritt abgestellt wird. Als Dauerlösung für allein stehende Anhänger sind sie aber relativ leicht zu knacken und daher unsicher“, erläutert Karl Görlich, technischer Leiter des Kupplungsherstellers Albe Berndes GmbH.

Mittlerer Schutz

Kastenschlösser

Derzeit am meisten genutzt werden die voluminösen und zumeist stabilen Kastenschlösser. Auch hier findet man zwei Varianten: Eine unten geschlossene, die nur für den geparkten Anhänger nutzbar ist, und ein aufklappbares Modell, das auch über die Kupplung am angeschlossenen Fahrzeug gestülpt werden kann.

 Sie bestehen aus einem etwa 23 cm langen und 12 cm breiten und hohen Stahlkasten, der über die Kupplung gestülpt wird (s. Bildansicht von unten). Anschließend wird ein Sicherungsriegel durch vorgefertigte Schlitze geschoben und an einem Ende durch ein massives rundes, sog. Diskus-Vorhängeschloss gesichert.


Auch wenn sich die Modelle auf den ersten Blick sehr gleichen, lohnt es sich doch, genauer hinzusehen, wie Karl Görlich von der Firma Albe Berndes GmbH erklärt: „Wichtig ist zunächst, darauf zu achten, dass es sich um gehärteten Stahl handelt. Weiter gibt es verschiedene Grundformen, um den Querstab möglichst so einzusetzen, dass er nicht durch einen starken Hammerschlag abgebrochen werden kann. Wir haben dafür viele Zerstörungsversuche gemacht. Als beste Lösung erwies sich eine Einbuchtung an der Seite des Kastens, an der das gelochte Ende des Stabes durchgeschoben wird. In diese Rille passt das Diskusschloss genau hinein und ist daher schlecht zugänglich. Einfachere Modelle haben eine zusätzliche gelochte Stahlleiste angeschweißt, durch die der Stab und das Schloss geschoben werden. Die Schweißnaht ist aber eine Schwachstelle“, so Görlich.

Die Berndes Safety-Box ist in dieser Form gebrauchsmuster-geschützt.  Das Klappmodell für die Nutzung während der Fahrt hat zudem speziell für das Rangieren in Kurven eine abgewinkelte Front, damit es die Stoßstange nicht verkratzen oder eindellen kann. Wichtig ist hier der  Freiwinkel von 20 Grad in Fahrtrichtung, nach oben und unten sowie quer zur Fahrtrichtung sind es 25 Grad.

Bei billigeren Fernost-Kopien wurde auf diese Feinheit nicht geachtet.

Allerdings sind die Preisunterschiede – zumindest in Relation zum zu schützenden Gut – moderat: Die Fernost-Importe gibt es bereits ab 9 Euro mit Schloss, die Berndes Safety-Boxen ab 22 Euro. Und Differenz von 13 Euro mehr für die Sicherheit scheint ein angemessener Preis…

Egal, welches Schloss aber nun verwendet wird: Auch beim Vorhängeschloss empfiehlt Karl Görlich, auf die Qualität zu achten. Gute Schlösser bestehen aus Edelstahl, auf dem Bügel befindet sich der Hinweis „Hardened“ für gehärteten Stahl.

Ein leichtes und kleines Kastenschloss wird auch von der Firma WM Meyer angeboten. Es ist ebenfalls im an- und abgekuppelten Zustand zu nutzen, aber von den Materialstärken dünner als die eben genannten Modelle. Das dazu passende Vorhängeschloss hat frei zugängliche und relativ dünne Bügel, die leicht mit Bolzenschneidern oder Akkufeilen angreifbar sind.

Bügel- und Aufsatzschlösser


Eine sehr stabile Lösung ist das Alko-Bügelschloss „Safety universal“. Es passt auf alle Alko-Kupplungen und die gängigsten Wettbewerbskupplungen (mit Ausnahme der Anti-Schlinger-Kupplungen) und zeichnet sich durch sehr massive Bauweise aus. Allerdings kann es nur im abgekuppelten Zustand eingesetzt werden und es bleibt auch hier das Problem, dass die gesamte Zugkugelkupplung abgebaut werden kann. Es kostet ab 19 Euro.

Die Aufsatz-Variante Alko Safey Compact silber (ab 39 Euro) wird über die gesamte Anhängerkupplung inklusive Griff gestülpt und verhindert damit das Öffnen der Kupplung. Das pulverbeschichtete Schloss ist leicht und reicht so soweit über die Kupplungsbefestigungsschrauben, dass diese nicht geöffnet werden können.

Hoher Schutz: Zertifizierte Schlösser


Alko Safety rot

Das Alko Safety gibt es auch in verstärkter Version als Alko Safety rot. Nach Aussage des Herstellers wird es meist nur in den Ländern eingesetzt, in denen die Versicherungen zertifizierte Schlösser vorschreiben und Prüfungskriterien für Großbritannien, Schweden und die Niederlande standhalten (ab 120 Euro).

„Da in Deutschland seitens der Versicherungen keine Sicherheitskriterien für einen Diebstahlschutz definiert sind, greift der Endverbraucher in der Regel zur günstigeren Variante. Der Safety rot bietet durch u.a. andere Materialien, verbessertes Schloss einen höheren Schutz für den Anhänger. Da dies aber durch die Versicherungen nicht honoriert wird (z.B. durch Rabatte auf Kaskoprämien) wird diese Variante hauptsächlich in den Ländern mit spezieller Prüfung (Holland, England und Schweden) eingesetzt“, erklärt Wolfgang Müller von Alko.

De Robstop-Serie von Winterhoff

Die Firma Winterhoff bietet ebenfalls diverse nach den o.g. Landesanforderungen zertifizierte Schlösser an, die einen entsprechend hohen Schutz für das angekuppelte und frei stehende Fahrzeug bieten. Frei stehend wird eine Kugel in das Kupplungsmaul eingesetzt. Dazu gehören das Robstop WS 3000, die sehr stabile Standardversion, und die nächst höhere Klasse Robstop WS 3000 PLUS als verstärkte, gehärtete Version mit aufbohrsicherem Spezialschließzylinder (geprüft : SCM/NL, SBSC/S und SoldSecure/GB). Allerdings müssen die Anbringungen dafür an der Kupplung möglichst von einer Fachwerkstatt vormontiert werden.

DoubleLock

Einen Sicherungsbügel, der unten angebracht und durch ein massives Schloss geschützt wird, hat das SCM-zertifizierte DoubleLock, u.a. angeboten von www.trailerparts24.eu.. Es muss bei der Montage auf die Kupplung angepasst werden, wobei der Anbau in einer Fachwerkstatt erfolgen sollte. Es funktioniert für an- und abgekuppelte Fahrzeuge. Durch die Konstruktion der Anbringung sind auch die Kupplungsschrauben geschützt.

„Natürlich kann kein Diebstahlschutz einen hundertprozentigen Schutz bieten. Bei entsprechend hoher krimineller Energie und entsprechendem Aufwand kann auch ein sehr gut geschütztes Fahrzeug entwendet werden, etwa durch Verladen auf einen LKW“, so Müller abschließend.

Dennoch sei allen Pferdeanhängerbesitzern empfohlen, eine möglichst gute Absicherung anzubringen, um wenigstens dem „schnellen“ Langfinger das Handwerk zu legen.





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