Decken nicht nur für den Pferdetransport: Funktionstextilien und Pferdepullover

Von Doris Jessen, geschrieben am 13.11.2018

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Transport_Abschwitzdecke.jpgWir wollen nicht aufs Neu darüber diskutieren, ob Pferde Decken benötigen oder nicht, weil es zu dieser Frage je nach Pferdetyp, Einsatzzweck und Ansicht der Reiter diverse Meinungen, Befürworter und Gegner gibt. Auf dem Transport, sei es bei größerer Kälte und vor allem aber nach einer größeren Anstrengung, ist es sicherlich angeraten, das Pferd für die Fahrt auf einem Pferdeanhänger einzudecken. Dafür eignen sich prinzipiell viele leichte (Abschwitz-)Decken. Allerdings sollte man sich auch über moderne Materialien und Formen informieren, die mancherlei Zusatznutzen bringen.


Wirklich viel Neues gibt es zum Thema Decken nicht. Speziell für den Transport geeignete Abschwitzdecken gibt es in unterschiedlichen Stofftypen – von Baumwolle über Wollgemische bis hin zu den heute modernen Fleece-Decken. Neben den flauschigen Fleece-Decken setzen sich zunehmend auch außen glatte Materialien durch – Beispiele sind „Power Cooler“ von Bucas oder „Micro Fleece Cooler“ von WeatherBeeta. Etwas luxuriösere Modelle haben zusätzlich zum Brustverschluss auch Bauchkreuzgurte und Beinschnüre, die aber beide abnehmbar sind, um auch gefahrlos damit abreiten zu können.

Und dann gibt es natürlich noch die leichten Übergangs- und Winterdecken für draußen, die auch für den Transport gute Dienste leisten können. Sie bestehen aus reißfestem Polyestergewebe mit mehr oder weniger warmer Wattierung und Fleece- oder Nylonfutter, letzteres vor allem, um Scheuerstellen an der Brust zu vermeiden. Sie sind atmungsaktiv und wasserdicht und je nach Hersteller mit unterschiedlich praktischen Verschlusssystemen ausgestattet.

Betrachtet man den Markt aber etwas genauer, finden sich doch Varianten, die sich für den täglichen Gebrauch, den Transport und teilweise sogar für den quasi therapeutischen Einsatz eignen.

Keramik hält warm

Keramik hält in der Tasse nicht nur den Frühstückstee warm. Die wärmespeichernde und reflektierende Eigenschaft wird auch in Textilien genutzt und ist dort im Humanbereich erfolgreich im Einsatz.

Erster und daher bekanntester europäischer Hersteller, der diese Funktionstextilien auch für den Einsatz am Pferd – sei es in Form von Decken oder auch Gamaschen – eingeführt und sich dadurch einen Namen gemacht hat, ist die schwedische Firma Back on Track, deren Unternehmensgründer und Geschäftsführer Erland Beselin im Jahr 1999 in seiner Eigenschaft als Arzt nach China reiste, von dort das keramische Material mit nach Europa brachte und zuerst für den Humanbereich fertigte.

Natürliche Infrarotwärme

Das Geheimnis der Keramik-Textilien ist ihre Wärmereflexion: Des „Pudels Kern“ sind winzige Keramikpartikel, die bei 1.600 Grad in Polyester- oder Polypropylenfasern eingeschmolzen werden. Diese erwärmen sich beim Tragen am Körper und reflektieren die Wärme im Bereich der Langwellen-Infrarotstrahlung in das Körpergewebe. Die reflektierte Wärme sorgt für vermehrte Durchblutung und kann somit Muskelverspannungen verringern. Durch die erhöhte Blutzirkulation werden auch Regenerationsprozesse beschleunigt. Trotz ihrer stark wärmenden Funktion sind die Materialien auch atmungsaktiv.

Das Waschen ist mit 30 Grad mit normalem Waschmittel unproblematisch. Die Decken sollten nicht geschleudert und zum Trocknen aufgehängt werden.

Langsam anfangen und steigern

Um das Pferd langsam an den Wärmeeffekt zu gewöhnen, sollte die Anwendungszeit schrittweise gesteigert werden. Dabei benötigen sie wenigstens eine Stunde, damit sich die Keramik gut aufheizen kann. Beim ersten Einsatz sollte die Decke maximal drei bis vier Stunden am Körper bleiben und abgewartet werden, wie das Pferd reagiert. Später kann man sie auch länger einsetzen. Es ist auch sinnvoll, immer wieder Pausen zwischen den Anwendungen einzulegen, damit kein Gewöhnungseffekt eintritt.

Die positive Wärmewirkung der Keramik-Textilien bestätigt auch Dr. Sabine Sachs, Tierärztin und Osteopathin im hessischen Königstein am Taunus: „Ich habe in vielen Fällen festgestellt, dass vor allem Pferde mit hohem Muskeltonus und festem Rücken plötzlich viel lockerer waren. Auf meine Frage, was die Besitzer geändert hätten, erzählten sie mir der neuen Decke. Durch die bessere Durchblutung verkürzt sich die Lösephase vor allem im Winter von teilweise einer Dreiviertelstunde auf die üblichen 20 Minuten“, so die Tierärztin.

Back on Track Welltex

1_Back_on_Track_Netzdecke.jpgDie Erfolgsgeschichte des Back on Back on Track Sortiments mit Welltex-Material für Pferde begann im Jahr 2002, seitdem erfreuen sich die Produkte zunehmend größerer Beliebtheit. Prominente Nutzer sind zum Beispiel die Pferde der aktuellen Goldmedaillen-Gewinner in der Vielseitigkeit Ingrid Klimke und Michael Jung.

Das Funktionsprinzip findet sich in Abschwitz- und Netzdecken, die als Unterdecke getragen werden können, über Regendecken bis hin zur warmen Stalldecke mit 330 Gramm Füllung. Sie kann bei leichtem Nieselregen auch draußen getragen werden, weil sie nur wasserabweisend und nicht komplett dicht ist.

Fedimax Ceramic Energy

3a_Fedimax_Fleece2.jpgDie Firma Fedimax, Pferdedeckenprofi aus dem bayerischen Igensdorf, bietet ebenfalls Keramik-Textilien unter der Bezeichnung fedimax Ceramic Energy mit dem innovativen Innenleben an. Hier ist das Keramikmaterial in rasterförmig angeordneten Mineraloxid-Kügelchen in Cool-Dry-Polyesterfasern eingeschmolzen. Durch das punktuelle Anliegen der halbrunden „Ceramic-Balls“ am Körper kann laut Hersteller die lokale Luftzirkulation begünstigt werden.

Die Fleecedecke eignet sich zum Aufwärmen vor dem Reiten und zum Transport sowie für die anschließende Abschwitzphase. Außerdem bietet Fedimax auch wasserdichte Regen- und warme Outdoor-Decken, in herkömmliche Decken einklettbare Rückenwärmer sowie Nierendecken.

Softshell: Federleicht und elastisch

7_Loesdau_Softshell.jpgEin für Pferdedecken ganz neues Material hat in diesem Sommer die Firma Loesdau auf den Markt gebracht: Softshell. Dieser aus der Sportbekleidung vor allem für Jogger und Bergsteiger bekannte und durch seinen Tragekomfort bewährte Stoff zeichnet sich durch besondere Leichtigkeit aus, wodurch speziell die sonst schwere Pferdedecke auch für den Menschen sehr benutzerfreundlich ist: Man kann sie quasi federleicht auflegen. Da der Stoff zwar wind-, aber nicht absolut wasserdicht ist, eignet sich die Pferdedecke überwiegend für gemäßigte Temperaturen ohne starke Niederschläge. Durch die Längs- und Querelastizität, die durch große Gehfalten noch erweitert wird, bietet die Decke auch beim Toben große Bewegungsfreiheit. Das atmungsaktive Material ist zudem relativ glatt und damit schmutzabweisend – gerade bei Pferdedecken eine sehr willkommene Eigenschaft. Die Decke ist mit einem Netzinnenfutter ausgestattet. Das Softshell-Material ist problemlos bei 30 ° Grad waschbar.

Traditionell und doch modern: Pferdepullover aus Schurwollgemisch

5a_Buckenthals_Horseblanket2.jpgAngesichts der vielen modernen Funktionsstoffe mutet die Idee, Pferdedecken aus gestrickter Schurwolle zu fertigen, geradezu altbacken an. Man muss allerdings nicht allzu lange nachdenken, um sich die Vorteile dieses traditionellen Materials ins Gedächtnis zu rufen: Warm und doch atmungsaktiv, angenehm am Körper, wenn einmal feucht geworden, relativ schnell trocknend.

Diese Materialeigenschaften nutzte die Hirschhagener Textilproduktentwicklungsgesellschaft in Hessisch Lichtenau im Jahr 1993 und ließ ihre gestrickten Pferdedecken unter dem Namen „Schobers Pferdepullover“ patentieren. Die Garnmischung der Pferdedecken besteht zur Hälfte aus reiner, natürlicher Schurwolle und Dralon-Fasern. Damit und durch die beim Stricken eingesetzte Kombination zweier unterschiedlicher Bindungsarten entsteht ein kapillares System innerhalb der Deckenstruktur. Darüber wird die Feuchtigkeit effizient aufgenommen und zügig an die Oberfläche weitergeleitet, wo sie über die relativ raue Struktur des Gestricks optimal verdunstet. Es entsteht keine Stauhitze und auch keine elektrostatischen Aufladungen.  

Im Jahr 2005 übernahm Carsten Buckenthal das Produkt und bietet die Decken unter dem Namen „Buckenthal’s Horse Blankets“ seitdem mit zunehmend großer Variationsbandbreite an. Als „Pullover“ über den Pferdekopf zu ziehen eignen sie sich gut als Unterdecke, mit den üblichen Frontclipverschlüssen eher als Abschwitzdecke, mit der man auch Abreiten kann. Eine Kreuzbegurtung benötigen sie nicht, weil sie sich perfekt dem Pferdekörper anpassen und nicht rutschen.

Bedenken vor aufwändigem Waschen sind unnötig: Die Pferdedecken aus Schurwollmischung sollten im ersten Waschgang nach Eiweiß-haltigem Schweiß- oder Urinkontakt zunächst mit maximal 30 Grad und Wollwaschmittel ohne Weichspüler gewaschen werden, anschließend sind auch 60 Grad möglich. Um den natürlichen Fettgehalt der Schurwolle zu erhalten, empfiehlt Buckenthal bei der 60 Grad-Wäsche Waschmittel mit Lanolinzusatz oder eine Lanolin-Wollkur.

Wintertest mit Keramiktextilien und Strickpullovern

In der kalten Jahreszeit wurden eine Netzdecke und ein großes Westernpad von Back on Track sowie eine Fleece-Abschwitzdecke von Fedimax auf diversen, vor allem rückenempfindlichen Pferden getestet. Die Pferde trugen sie zunächst vor und nach der Arbeit und nach einer Eingewöhnungszeit von mehreren Tagen auch unterhalb ihrer Winterdecke. Die Ergebnisse waren durchaus positiv: Besonders Pferde, die zu Beginn der Arbeit im Rücken verspannt sind, waren deutlich schneller locker, wenn die Netzdecke entweder unter der Winterdecke getragen oder vor dem Reiten aufgelegt worden war und während der Warmreitephase noch etwa zehn Minuten auf dem Pferd war. Auch das Sattelpad hatte diese wohltuende Wirkung.

Ebenfalls gut bestanden haben die gestrickten Buckenthal’s Horse Blankets. Sie haben sich hervorragend als Abschwitz- und fellschonende Unterdecken sowie Transportdecken in der kühleren Jahreszeit bewährt.




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