Pferdeanhänger-Zugfahrzeugtest Citroën Spacetourer M Business mit Dangel Traction Control: Geländetauglicher Kleinbus für lange (Turnier-)Wochenenden

Von Doris Jessen, geschrieben am 07.01.2019

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Citroen_Spacetourer_Web__5_von_40_.jpgReiterautos sind - außer beim Parken - in den meisten Fällen zu klein. Da passt die Futtertonne nicht in den Kofferraum, die Paddockstangen sind trotz umgelegter Sitze zu lang und ans Übernachten auf dem Turnier müssen wir gar nicht erst denken. Ganz anders der Citroën Spacetourer M Blue HDI 150 4x4: Der Kleinbus bietet mit knapp 5 Metern Länge extrem viel Platz, zieht mit seinem 2-Liter-Diesel und 150 PS bis zu 2,3 Tonnen schwere Anhänger gut vom Fleck und kommt dank Dangel 4x4 Allradausrüstung „Traction Control“ auch im schweren Gelände gut zurecht. Für den Test zur Verfügung gestellt wurden der Spacetourer sowie der Böckmann Pferdeanhänger von dem Citroën- und Böckmann-Partner Autohaus Vehrs in Lauenburg.


Er heißt nicht umsonst „Spacetourer“, wobei hier weniger die unendlichen Weiten des Weltalls, sondern vielmehr der wirklich mehr als ausreichende Raum gemeint ist, der das Fahrzeug auszeichnet. Allerdings müssen wir dafür schon ein wenig LKW- oder Bus-Feeling in Kauf nehmen. Das beginnt schon beim Erklimmen der luxuriösen und heizbaren Ledersitze über die hohe Stufe. Dort thront man bequem, als König der Landstraße, hoch über den Dingen sitzend und mit viel Kopffreiheit über uns. Im Grunde wäre zwischen den Vordersitzen noch Platz für eine weitere Person, im Testmodell wird die Fläche als Stauraum genutzt. Davon gibt es reichlich, das Handschuhfach hat eine Kühlfunktion und an den Rückseiten der Sitze befinden sich abklappbare Tische und Getränkehalter. Auch auf Strom für zahlreiche Geräte müssen wir nicht verzichten: Sieben Steckdosen mit diversen Anschlussvarianten bis hin zu 220-Volt für die schicke Föhnfrisur sind vorhanden. Insgesamt ist die Inneneinrichtung sehr funktional und hochwertig gehalten.

Und wie es sich gehört für Großfamilienfahrzeuge speziell im Reiterkreis, in denen nicht nur Kinder, Hunde und Gepäck für ein mehrtägiges Turnier Platz finden müssen, haben die Citroën-Innenarchitekten den Fond extrem variabel gestaltet.


Nachdem sich die Schiebetür auf Knopfdruck oder Fußgeste geöffnet hat, finden sich im Testwagen zwei Sitzreihen mit großzügiger Beinfreiheit, die sich bei diesem Modell auf Schienen verschieben, komplett umlegen oder auch herausnehmen lassen. Dann entsteht ein wirklich riesiges Ladevolumen hinter dem Fahrersitz mit 2,41 Metern Länge, 1,61 Metern Breite und 1,33 Meter Innenhöhe, was rund 5.000 Liter ergibt. Es können aber auch andere Varianten bis hin zur Wohnmobilausstattung gewählt werden. Womit dann das Spacetourer Motto „Für grenzenlose Freiheit“ zu verwirklichen ist, das gerade für Pferdesportler, die auf Veranstaltungen gerne auch einmal direkt bei ihren Vierbeinern übernachten, mit „normalen“ PKW an seine Grenzen stößt.

Von der Sonne wachgeküsst

Citroen_Spacetourer_Web__35_von_40_.jpgWunderschön: Wer hier schläft, wird morgens von der Sonne geweckt, die durch das riesige Panoramadach viel Licht in sonst dunkle Heckräume schickt. Auf Wunsch lässt es sich aber auch abdunkeln. Für ausreichend Kühlung während der Fahrt sorgen auch für die rückwärtigen Passagiere die Düsen der Klimaanlage, während der Pausen öffnen wir die Heckscheibe, während die Heckklappe an sich geschlossen bleibt. Diese ist aufgrund ihrer Größe speziell für kleinere Personen etwas schwer bedienbar. Positiv ist, dass sie sich trotz ihrer Größe problemlos mit angehängtem Zweipferdeanhänger öffnen lässt.

Steile Waldwege mit Bravour gemeistert

Citroen_Spacetourer_Web__11_von_40_.jpgDie Freiheit führt uns auch in unwegsames Gelände, und das ist das ganz Besondere an diesem Test-Spacetourer: Während Citroën das Fahrzeug werksseitig nur mit Vorderradantrieb ausstattet, wurde unser Testfahrzeug von der Firma de Bondt mit dem französischen Dangel 4x4-System zu einem geländetauglichen Allradmodell umgerüstet oder – man sollte vielleicht passender sagen – aufgewertet. Die erhöhte Bodenfreiheit von 183 mm und Unterbodenschutzbleche für Motor, Getriebe, Tank und AdBlue-Container sind im Umbau mit inbegriffen.

Wir haben den Spacetourer mit ein wenig Herzklopfen auf die harte Probe gestellt und ihn mit Pferdeanhänger Waldwege klettern lassen, die sicherlich so kaum ins Fahrprofil eines Pferdesportlers gehören. Auf Schotterwegen stellten wir das Drehrad des das „Traction Control Systems“ in den Auto 4WD-Modus, der bei Traktionsverlust automatisch ein Teil des Drehmoments auf der Hinterachse weitergibt. Als es stärker bergauf ging, schalteten wir in die „Lock“ Einstellung für schweres Gelände. Das Drehmoment von 370 Newtonmetern sorgte für ordentich Kraft auf den Rädern und los ging es den steilen Weg hinauf. Die Wurzeln waren aufgrund der erhöhten Bodenfreiheit auch kein ernstzunehmendes Hindernis. Aufgrund des trockenen Sommers standen leider keine Test-Matschpfützen zur Verfügung, sicherlich stellen diese aber auch kein Problem dar.

Leider ist der Spacetourer nur mit Schaltgetriebe erhältlich, das Headup-Display liefert dafür die entsprechende Gangempfehlung. Die Gänge schalten sich zwar weich, allerdings benötigt man doch etwas mehr Kraft als in einem PKW. Dasselbe gilt für das Rangieren mit dem großen Lenkrad. Für ein Fahrzeug dieser Größe ist er mit einem Wendekreis von 12, 8 Metern allerdings noch relativ wendig.

Auf geht’s zum Lehrgang

Das Positive vorweg: Nicht nur auf Waldwegen, wo es naturgemäß langsam vorangeht, hat sich der Spacetourer als Zugfahrzeug bewährt. Die Fahrt zu einem Wochenend-Lehrgang führte über Landstraßen und Autobahnen, auf denen das genüssliche Cruisen die Reise bestimmt und der Anhang bald in Vergessenheit geriete, wäre er nicht permanent im Rückspiegel sichtbar. Durch den langen Radstand schluckt der Wagen Bodenunebenheiten sanft weg.

Aufgrund seines Leergewichtes von 1,9 Tonnen dürfen wir mit dem 2-Tonnen-Pferdeanhänger 100 km/h schnell fahren. Aber auch kurzfristig flottere Überholvorgänge meistert der Spacetourer souverän. Allerdings haben wir ihn mit Anhänger im Allrad-Modus gefahren, weil im Eco 2WD Modus bei stärkerer Beschleunigung die Vorderräder leicht durchdrehten. Speziell bei Nässe ist als auch auf normalen Straßen mehr Kraft von hinten durchaus vorteilhaft.

Citroen_Spacetourer_Web__33_von_40_.jpgAls etwas lästig erwies sich die Lage der Steckdose, die nach unserem Geschmack zu weit hinten montiert war, so dass man sich unbequem auf die Knie begeben musste. Gerade neben der festen Anhängerkupplung hätte sie benutzerfreundlicher montiert werden können. Zwar ist der Spacetourer mit Parksensoren ausgestattet, dennoch empfehlen wir Interessenten an diesem Fahrzeug dringend die Bestellung der heute schon fast üblichen Rückfahrkamera, die das Heranfahren vor dem Ankuppeln doch sehr erleichtert.


Reisen anstatt rasen

Im täglichen Gebrauch muss man sich darüber im Klaren sein, dass hier ein Kleinbus unterwegs ist: Zwar passt er mit 1,9 Metern Höhe noch in jedes Parkhaus, dennoch sollte man sich die Fahrt dorthin mit 5 Metern Länge und 2,20 Metern Breite gut überlegen.


Ohne Anhänger reizen wir die Beschleunigung (von 0 auf 100 geht’s in 13,8 Sekunden) und die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h aus, wobei das Fahrverhalten bis 160 km/h durchaus angenehm ist, im Spitzentempo wird es etwas schaukelig. Dasselbe gilt auch auf Landstraßen, wenn man die Kurven etwas zu rasant ansteuert – der Spacetourer ist eben ein Kleinbus und kein Sportflitzer. Das erwartete aber auch niemand, der sich für ein Reisefahrzeug dieser Bauart entscheidet.

Für eine komfortable Fahrt stattet Citroen seinen Spacetourer mit den Errungenschaften modernen Infotainments und gängigen Fahrassistenten aus. Auf Knopfdruck startet mit dem Motor auch der 7-Zoll Touchscreen, über den sich Navigation, Medien und die Bluetooth-Freisprechanlage fürs Telefon steuern lassen. Ein wenig schwer von Begriff war die Spracherkennung, positiv dagegen die traditionellen Knöpfe links und rechts des Monitors, die eine zusätzliche schnelle Bedienung ermöglichen.

Tempomat, Verkehrszeichenerkennung und Fernlichtassistent sind ebenso an Bord, weitere Assistenten sind optional bestellbar.

Der Verrauch pendelte sich auf rund 8,3 Liter Diesel ein, mit Anhänger war es kaum mehr.

Fazit

Der Citroën Spacetourer M in der Business-Ausstattung ist ein echter Kumpel, wenn Pferdesportler für sich und/oder viel Gepäck großen Platzbedarf haben, der über die Laderäume größter SUVs hinausgeht, und dennoch nicht auf Vierradantrieb und Geländeeigenschaften verzichten wollen. Ideal zum Campen, sei es mit einer Matratze im Fond oder einer Wohnmobileinrichtung. Die Fahreigenschaften sind sowohl ohne als auch mit Pferdeanhänger komfortabel, der Kraftstoffverbrauch hält sich für die Größe und Geometrie des Kleinbusses in Grenzen. Die Anschaffungskosten beginnen bei 36.840 Euro für die Serienausstattung, für das Dangel 4x4-System kommen noch einmal 8.877 Euro hinzu.

Technischen Daten

Länge (mm) 4.959
Breite (mm) 1.920
Höhe (mm) 1.905
Wendekreis (m)
12,8
Bodenfreiheit (mm)
183
Kofferraumvolumen (Liter)
max. 5.000
Leergewicht (kg)
1.800 - 2.100
Zuladung (kg)
600 - 900
Anhängelast gebremst, bis 12 % Steigung (kg)
2.300, bis 2.780 möglich
Stützlast
92 kg
Motor
2,0 l 4-Zylinder Turbodiesel 
Maximale Leistung 110 kW (150 PS)
Maximales Drehmoment
370 Nm bei 2.000 Umdrehungen/min
Beschleunigung
0 – 100 in 13,8 sec
Höchstgeschwindigkeit
170 km/h
Verbrauch in Litern (Herstellerangaben)
Stadt: 5,9; außerhalb 5,3; gesamt 5,6
Schadstoffklasse
Euro 6 dtemp
CO2-Emission (g/km)
147
Versicherungsklasse Haftpflicht + Teilkasko + Vollkasko
20 (HP), 20 (TK) 24 (VK)

Neupreis €

Ab 36.840 €; Testwagen mit Dangel 4x4 System und Sonderausstattungen 46.937






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